Wenn Delay zur Obsession wird

*Disclaimer* In diesem Artikel werden folgende Wort aufgrund meines abgrundtiefen Hass ihnen gegenüber nicht vorkommen: Paddelboot, Tretminen, cremiger Sustain, Axt.

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Im Leben eines jeden Gitarristen kommt der Zeitpunkt, an dem man sich fragt, wie man seinen Sound personalisieren und unverwechselbar machen kann. Der gebrauchte Marshall Amp mit maximal aufgedrehter Verzerrung konnte also auch für mich nur eine Zeit lang das Gewünschte erreichen. Ich begab mich also bereits Anfang 2015 auf die Suche nach dem „perfect tone“.

Meine Philosophie war zunächst sehr simpel – Warum viel Geld für einzelne Effekte ausgeben, wenn es diese tolle Erfindung namens Multieffektgerät gibt?  Da mein Bandmate Moritz sich auch kürzlich eines dieser Dinger zugelegt hatte, folgte ich seinem Beispiel und erwarb das Gleiche KORG Multieffektgerät. Für den Anfang war das auch alles schön und gut und ich dachte mir „Oh yes, DAS ist der perfekte Sound, nichts und niemand kann das übertreffen, was aus diesem magischen Gerät kommt“, doch sofern man nicht ein absolutes Highendprodukt im Bereich des Multieffekts besitzt stößt man schnell an die Grenzen des Möglichen. Dadurch, dass ich mir nicht bewusst war, wie alt dieses Multieffektgerät eigentlich schon war, klang es zum Großteil auch alles sehr veraltet, was natürlich aber auch ein Vorteil sein kann, wenn man darauf abzielt. Die fehlende Variabilität beim Delay, das Alles oder Nichts Volumepedal und die veralteten Verzerrungen brachten mich zu dem Entschluss, dass nun doch einzelne Pedale her müssen. Ich kann vorweg sagen, dass das Einzige, was ich vermisse der wunderschöne Hall-Reverb ist, den das KORG MX1500G hat. Doch an dieser Stelle nimmt die Geschichte unseres jungen Guitar Hero (ich) eine erschreckende Wendung, denn anstatt sich einfach normal mit Effekten zu beschäftigen und nach dem Kauf alles ruhen zu lassen, habe ich mich so in dieses Thema reingesteigert, dass sowohl mein Hirn als auch mein Geldbeutel irgendwann die Schnauze voll von mir hatten. Meine Freizeit verbrachte ich damit mir jedes grässliche Demovideo für ein Pedal anzuschauen, ganz egal, ob ich zum tausendsten Mal die Blues-Pentatonik höre. Solange ich auch nur einen kleinen Fetzen Musik aus dem Pedal gehört habe der mir zusagt, habe ich mir alles infiltriert, was es zu finden gab. Die YouTube Serie Rig Rundown ist auch ein großer Freund von mir geworden, so schaute ich mir das Equipment von Gitarristen an, die ich nicht höre oder vielleicht auch gar nicht leiden kann, nur um zu schauen, welche Effekte er benutzt und wie er das tut. Es war absolut grauenhaft. Ich war auf der Suche nach einem Tone, den ich selbst nicht beschreiben konnte. Von daher war es ein Plan, der zum Scheitern verurteilt war.

Besonders angetan war ich von einem kleinen Gerät der Firma BOSS. Das Boss DD20 Giga Delay war bestimmt ein halbes Jahr lang mein Begehr und nachdem ich gefühlte 72 Stunden am Stück damit verbracht hab mir jedes kleinste Detail einzutrichtern war ich mir sicher: ICH BRAUCHE DAS DING. Doch dies stellte sich als eine größere Herausforderung raus, als ich dachte. Wie ich herausfand gehörte das DD20 nicht mehr zur aktuellen Produktreihe von BOSS und aufgrund dessen gestaltete sich die Suche schwierig, denn der große Musikversand mit dem T führte das DD20 nicht mehr und nachdem ich fast überteuert bei einem anderen, sehr dubiosen Versand um mein Geld gebracht wurde, war klar, dass die Einzige Lösung eBay Kleinanzeigen war.  Dort ist der Giga Delay aber kein Hit, der in riesigen Mengen angeboten wird, sondern eher rare Ware. Entweder verlangt jemand also Unsummen oder man kontaktiert den Menschen und er antwortet nach kurzer Zeit nicht mehr. Doch ohne einen grandiosen Spannungsbogen und ein Happy End wäre dieser Artikel nicht komplett und deswegen darf ich mit Stolz verkünden, dass ich es doch noch geschafft hab das Objekt der Begierde für einen guten Preis zu erwerben. Als Nebeneffekt (hehe Effekt) hat sich meine Sucht nach dem perfect tone (fürs Erste) wohl gelegt. Ich wurde geheilt. Man sollte sich wohl auch nicht so in Effekthascherei (hehe) verlieren und dadurch das eigentlich wichtige vergessen – das Spielen (auch wenn Pedale schon ziemlich cool sind).

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