Warum die Frida Gold-Sängerin vermutlich wirklich nackt singt

Die Band Frida Gold hat am 30.09. ihr neues Album veröffentlicht. Das ist an und für sich erstmal eine ziemlich unspektakuläre Sache und tangiert mich relativ wenig. Doch eine Videoveröffentlichung und ein damit verbundenes Interview haben mich ein wenig stutzig gemacht und ich habe mir tatsächlich eine Meinung dazu gebildet.

Ein bisschen Kontext – Frida Gold sind eine Band aus dem Raum Bochum und sind bekannt für Hits wie „Wovon sollen wir träumen“ und all solche Songs. Bereits letztes Jahr veröffentlichten sie die Single „Run, Run, Run“, in der erstmals auf Englisch gesungen wurde. Diese Single kam bei den Fans allerdings so schlecht an, dass sie ankündigten nochmal ins Studio zu gehen und am Album zu arbeiten. Dies hieß im Endeffekt, dass sie anfingen die Songs auf Deutsch zu übersetzen, um die Zielgruppe auch bloß zufriedenzustellen. Die Singleauskopplung „Langsam“ dieses nun deutschen Albums ist edgy und kontrovers, da sich Sängerin Alina im Video komplett nackt zeigt. Im Stern äußerte sich die Sängerin nun zum Video und zu der Albumsituation.

Das Interview

Erstmal wird der Unmut der Fans in Bezug auf die englische Single aufgearbeitet. Sie sagt: „Wir haben zum ersten Mal ein Album auf Englisch getextet. Ganz intuitiv, das fanden wir gut und richtig […].“ Daraufhin erläutert sie, dass diese Single allerdings überhaupt nicht ankam bei den Fans und dass die Band sich daraufhin gefragt hat, ob sie wirklich so weitermachen wollen „[…] oder wollen wir mit den Leuten, die uns bis jetzt gut fanden, in Kontakt bleiben? Wir wollten immer, dass uns so viele Leute wie möglich hören, klar, deshalb war das eigentlich keine Frage. Also sind wir zurück ins Studio, haben die Platte zum Teil übersetzt, aber auch neue Songs wie „Langsam“ geschrieben.“ Mit dieser Aussage habe ich gleich mehrere Probleme. Erstens spricht sie davon, dass sie immer wollten, dass so viele Leute wie möglich hören, dann aber entscheiden sie sich gegen die Weltsprache Englisch und eine riesige Zielgruppe an Hörern und beharren auf ihrem deutschen Publikum und entspannen sich nun weiterhin in der schon vorhandenen Bekanntheit in Deutschland. Sie sagt im Weiteren man solle „trotzdem nie aufhören, Grenzen und Erwartungen auszutesten.“ Wie soll man denn diese Aussage ernst nehmen und ihre künstlerische Integrität akzeptieren, nachdem sie wenige Sätze zuvor erwähnt, dass sie aufgrund der schlechten Reaktionen auf ihre englische Single ihr komplettes Album auf Deutsch übersetzt haben? Dazu kommt noch, dass sie das Schreiben auf Englisch eigentlich intuitiv und richtig fand. Den Schritt zu wagen englische Texte zu nutzen und Neues zu machen, sich auf seine künstlerische Freiheit einzulassen, finde ich vollkommen nachvollziehbar und gerade im Pop-Business nobel. Sofort zurückrudern, wenn es Kritik hagelt aber nicht. Mir ist klar, dass es bei Popacts viel um Verkaufszahlen geht, gerade, wenn ein Label viel Geld investiert. Aber warum versucht sie dann hier den Schein zu wahren, dass es eine künstlerisch freie Entscheidung und eine Entscheidung für ihre Fans war.

Das „Langsam“-Video

Erstmal vorweg: Ich sage nichts zur Musik an sich. Mir ist klar, dass diese Musikrichtung keine ist, die mir gefällt und von daher steht mir denke ich kein fundiertes Urteil über gut oder schlecht zu. Auch, wenn der Text das grottigste, einfallsloseste und klischeehafteste ist, was ich seit längerer Zeit gesehen habe. Anyway.

Im Video räkelt sich Sängerin Alina nackt auf dem Bett, raucht nackt und läuft nackt durch die Straße. Skandal, Skandal. Auf die Frage des Interviewers, ob das eine Entscheidung der Aufmerksamkeit wegen war, folgt Alinas Lieblingsfloskel, dass es für sie und die Band einfach die logischste künstlerische Form war, den Song darzustellen. Aufgrund vorhergegangener Aussagen aus dem Interview kaufe ich ihr das nicht ab. Alina, es war für dich auch die logischste Entscheidung auf Englisch zu singen, aber an der Idee hast du auch nicht festgehalten. Klar, wenn sie das Video hinter bodypositivity Aussagen wie „In Langsam geht es darum, zu sich selbst zu stehen, alles abzulegen, was einen beschwert und verschleiert. Wer nackt ist, ist ohne Fassade, bei sich selbst, wahr und ehrlich“ versteckt, wird sie viele damit rumreißen können und als starke, mutige Frau bezeichnet werden. Gar keine doofe Idee. Aber vielleicht war die erste Single auf Englisch auch einfach so ein Flop, dass du und euer Label Angst hattet, dass auch die Übersetzung auf Deutsch es nicht mehr retten kann und ihr brauchtet etwas, was euch wieder ins Gespräch bringt. Vielleicht etwas… kontroverses? Und da gibt es wenig was einem dabei besser helfen kann, als ein Video mit Nacktheit und dann auch noch von der Frontfrau. Kann gut sein, dass ich hiermit komplett falsch liege und es an meiner versnobten Haltung gegenüber Popmusik liegt, aber ich kaufe der Band Nacktheit als künstlerische Herangehensweise OHNE kommerzielle und boulevardtechnische Hintergedanken nicht ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.