Hi! Spencer über den Zustand der Szene – Deutschland, deine Newcomer

Wer hält eigentlich die Musikszene am Leben? In meinen Augen sind es die Newcomer, welche die Szene immer wieder mit neuer, frischer Musik beliefern. Wenn man sich tief mit der Materie beschäftigt, dann wird man auch in Deutschland eine große Anzahl an Bands finden, die viel Potenzial haben. Doch wird diesen Bands auch eine Chance gegeben? Wie schwer ist es als junge Band? Dies möchte ich in der Beitragsreihe beleuchten und wer kann mir das schon besser sagen, als eben diese jungen Bands.

Die erste Band ist Hi! Spencer. Es gibt viele gute Gründe eine Band ins Leben zu rufen.  Für Hi! Spencer war es 2012 die logische Konsequenz aus der Frage: Was tun, wenn der größte Höhepunkt im Jahreskalender die Kirmes ist? In einer Scheune arbeiten sich die fünf Sandkastenfreunde an Coverversionen ab und schreiben dann eigene Songs – der klassische Jugendband-Werdegang eben. Wäre da nicht das Feuer, das Brennen für mehr als Dorfdisco und Schrabbel-Abend.  So bestreiten sie über vier Jahre ihren Weg durch Musik-Deutschland, spielen über 100 Konzerte, finden sich, veröffentlichen ein Debütalbum und erste Videos und der Fan-Kreis wächst stetig. Gitarrist und Zweitsänger Malte war so nett und hat mir ein paar Fragen beantwortet. Außerdem haben wir ein kleines Gewinnspiel, bei dem wir zwei Exemplare ihrer neuen EP verlosen. Mehr dazu am Ende des Beitrags.

Standardfrage zu Beginn: Warum habt ihr angefangen Musik zu machen? 



Wir haben den klassischen Weg von Teenagern genommen, die auf dem Dorf aufgewachsen sind, Musik gehört haben und dann auch unbedingt selber auf der Bühne stehen wollten.

Wir sind fünf Kumpels, sind zusammen zur Schule gegangen, haben dann durch eine Abiband die ersten musikalischen Gehversuche gestartet und sind danach einfach dabeigeblieben. Bis heute. Ausschlaggebend dabei war aber denk ich, dass wir uns gut verstanden haben und eh viel miteinander abgehangen haben. Wenn du dann merkst, dass du mit deinen Freunden zusammen Konzerte spielen kannst, bei denen Leute hinkommen, die das geil finden was du machst, dann ist das ein sehr gutes Gefühl. Wenn du dann noch die ersten Shows spielen darfst, die etwas weiter weg sind, und du mit den gleichen Typen stundenlang auf der Autobahn im Stau stehst und dir noch immer nicht auf den Sack gehst, dann ist das nochmal ein geileres Gefühl. Ich denke diese Verbundenheit ist so eine Art Motor, der uns damals angetrieben hat – und das auch heute noch tut.

Wie ist die Musiklandschaft in eurer Heimat? Gibt es vieleAuftrittsmöglichkeiten für junge Bands? Wie sieht es mit Förderungen aus?

Wir sind alle im Raum Osnabrück aufgewachsen. In der Stadt selber gibt es Möglichkeiten erste Gehversuche zu starten. Es gibt Einrichtungen, die das auch forcieren, meistens Jugendzentren. In Osnabrück gibt es auch die Möglichkeit das Musikbüro zu besuchen, das einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Die machen einen super Job. Irgendwann ist dann aber auch das Ende der Fahnenstange erreicht. Finanzielle Fördermöglichkeiten für alle Bands sind unserer Erfahrung nach in Osnabrück kaum gegeben. In anderen Städten, zum Beispiel in Münster, gibt es da Konzepte, die alle regionalen Bands im Gesamten bessere Fördermöglichkeiten geben. Dort besteht die Möglichkeit gezielt Fördergelder zu beantragen und Zuschüsse für eine Tour oder eine Plattenproduktion zu erhalten. Das halte ich für phantastisch, ist aber natürlich regional gebunden. Zudem machen städtische Einrichtungen, wie das Gleis22 dort einen super Job und bieten immer wieder auch jungen Bands Möglichkeiten auf den selben Bühnen zu stehen, wie bekannte nationale und internationale Bands. Und das ist auf jeden Fall ein Signal, das auch junge Musiker motivieren kann.

In Osnabrück ist da, so unsere Erfahrung, noch vor allem finanziell und strukturell Luft nach oben. Dennoch machen ein paar Leute da einen super Job und versuchen mit ihren Mitteln dort regelmäßig Konzerte auf die Beine zu stellen.

Eure Meinung zu Bandcontests?





Wir haben selber zu Beginn unserer Bandkarriere einen Bandcontest mitgemacht, gewonnen und konnten mit dem Preisgeld dann unsere erste kleine EP bezahlen. Dementsprechend kennen wir die Sonnenseite dieses Konzepts.

Bandcontests sind letztendlich aber ein fragwürdiges Ding. Häufig gewinnen die Bands, die am meisten Freunde zur Veranstaltung hinkarren konnten. Kaum jemand stimmt dort wirklich für die Band ab, die musikalisch überzeugt hat. Damit ist häufig schon die halbe Miete eingefahren. Auch eine „Jury“ kann da nicht mehr viel Ausschlag geben. Außerdem treffen dort oftmals so viele verschiedene Musikrichtungen aufeinander, dass es schwer ist ein gleiches Maß zu finden. Wie vergleichst du eine Metalcore Band mit einer Hip-Hop Combo mit Latin-Soul Frontfrau? Und ist die Metalcore Band jetzt schlechter gewesen, weil einfach weniger Leute im Publikum waren, die auf Metalcore stehen?

Aber was der ausschlaggebende Punkt für mich im Bezug auf Bandconteste ist: Was erreichst du damit, in Bezug auf die Förderung junger Bands? Der goldene Gewinner bekommt ein einmaliges Preisgeld. Der zweite vielleicht ein Wochenende im örtlichen Tonstudio, der dritte noch einen Gutschein im Musikhaus nebenan. Der Rest geht leer aus. Und was macht das in den Köpfen junger Musiker? Brauchen wir noch mehr Konkurrenzdenken im Musikgeschäft? Gerade regional sollte doch der ausschlaggebende Faktor unter Bands sein, Konzerte miteinander zu organisieren, zusammen einen guten Abend zu verbringen, Netzwerke zu knüpfen und vielleicht mit der neuen befreundeten Band kleine Touren zu spielen, anstatt sich nicht zu trauen Band A sein Klinkenkabel zu leihen, weil man sonst eventuell auf Platz zwei rutschen könnte.

Ein Konzept, das alle Bands zu gleichen Teilen fördert wäre dort, wie oben erwähnt, sinniger.

Wie seht ihr die Musiklandschaft in Deutschland allgemein? Wird Newcomern eine faire Chance gegeben? 




Ich denke du brauchst als junge Band irgendwo einen Eisbrecher, einen Kontakt, der sich mit der Musikwelt auskennt und bestenfalls auch Menschen aus der Musikbranche kennt. Ansonsten gelangt man irgendwo an eine Decke und es geht nicht mehr weiter. Ich denke man muss als junge Band, die in Deutschland bekannt werden möchte, erstens innovativ sein und irgendetwas Besonderes mitbringen und als Zweites brauchst du einfach eine Prise Glück. Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und einen Nerv treffen.

Ob das jetzt fair ist oder nicht weiß ich nicht.

Findet ihr die Radiolandschaft hier bei uns in Deutschland in Ordnung?

Ich denke es gibt viele kleine Radiosender, die einen wirklich guten Job machen und mit viel Sorgfalt und Herzblut auch themenbezogen Sendungen vorbereiten. Klar geht es einem vielleicht irgendwann auf die Nerven, dass beim großen Sender zum zehnten Mal gerade Katy Perry mit ihrer neuen Hitsingle gespielt wird, aber dann ist da halt auch das gute Recht gegeben umzuschalten. Und auch die haben zur späteren Stunde Sendungen im Repertoire, die vermehrter neuere Bands in den Blick nehmen.

Habt ihr zum Abschluss noch Rat für junge Bands, die gerade beginnen?

Seid einfach keine Arschlöcher. Das ist wirklich die halbe Miete. Bedankt euch bei VeranstalterInnen, wenn sie euch neuen Kaffee zum Catering stellen und verteilt verdammt nochmal nicht das ganze Backstagebier an eure Kumpels.

Und dann: spielt, spielt, spielt, spielt und spielt Konzerte. Egal wie groß, egal ob es das Dorffest der Nachbarschaft oder die Hausparty im Wohnzimmer der Eltern ist.

Das ist die beste Möglichkeit um auf sich aufmerksam zu machen und letztendlich auch genau das, warum ihr angefangen habt Musik zu machen, oder?

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Die Jungs von Hi! Spencer bringen am 14.10.2016 ihre neue EP „In den Wolken“ heraus. Deutschsprachiger Indie-Punkrock mit Mut zur großen Geste, dem Herz auf der Zunge und Schweiß in den Augen. Ja, es geht um Fernweh, um Orientierung und Aufbruch, um das große L-Wort und das Herz schlägt auch auf der richtigen Seite. Die fünf Songs aber umweht eine Frische, die ihresgleichen sucht. Mit seiner Orkan-haften Stimme besingt Frontmann Sven Bensmann das Scheitern, das Wiederaufstehen und das Hoffen auf mehr. Zweitsänger Malte Thiede stimmt dazu ein, beißend, fordernd – kein Blick zurück, es muss weitergehen und das tut es.

Im Herbst geht es für einige Konzerte durch die Clubs, neue Videos und die EP als schwarze und silberne Scheibe im Gepäck. „Wir haben den Kopf in den Wolken, weil wir das immer schon so wollten“. Merkt man, fühlt sich gut an. Ein Video zur Single „Schalt mich ab“ haben sie bereits veröffentlicht.

In den Wolken (EP) – 14.10.2016 (Tundra Tonerzeugnisse / finetunes)

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www.youtube.com/hispencerband

Die Jungs waren so nett mir zwei Exemplare ihrer EP „In den Wolken“ zum verlosen zur Verfügung zu stellen. Wer also die Chance haben will, eine davon zu gewinnen, der liket einfach unsere Facebookseite und drückt Gefällt Mir bei diesem Beitrag.

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